40 Jahre City
Band | ARD
Eigentlich ist es ein Wunder, dass es "Am Fenster" überhaupt gibt. Denn der DDR Plattenfirma AMIGA war es zu lang, zu geheimnisvoll, zu traurig. 40 Jahre später hat sich am Fenster mehr als zehn Millionen mal verkauft. Und City spielen es in jedem ihrer Konzerte. Müssen es spielen! Sonst sind die Fans sauer.
Da haben wir ziemlich Glück gehabt mit „Am Fenster“, das ist Gott sei Dank nicht Ballaballa. Mit „Am Fenster“ kann man getrost alt werden, haben wir noch ein bisschen Zeit, aber das ist ein Lied, das sich jeden Tag neu erfindet. In ganz kleinen Nuancen, ich glaube, das Publikum bemerkt das nicht immer, aber wir merken das und ich glaube, das ist das schöne an diesem Lied. [Toni Krahl, Bandleader]
1972 gegründet, machten sich City schnell einen Ruf als die Rolling Stones des Ostens. Mit Am Fenster schafften sie fünf Jahre später auch den Sprung in den Westen. Bis heute am wichtigsten ist der Band ihre Glaubwürdigkeit. Für City ist das bis zum Tage der Geist des Rock n Roll.
Wir sind dem immer noch verhaftet und uns ist immer noch der Inhalt besonders wichtig. Und in der DDR wurde alles lediglich überpolitisiert und überdeutet. Da gab es es dann halt ne Behörde, die hat sich damit auseinandergesetzt, was könnte denn da jetzt, was kritisches, was staatskritisches womöglich drin sein. [Toni Krahl, Bandleader]
Hier in der Berliner Volksbühne haben City in den 70ern geprobt. Frontmann Toni Krahl hatte zu dieser Zeit eine wichtige Erfahrung bereits hinter sich. Weil er systemkritische Flugblätter verteilt hatte, landete er mit 18 für vier Monate im Gefängnis.
Ich muss dazu sagen, es hat auch ein bisschen gewirkt. Man wird feiger, wenn ich das so sagen darf. Also man reißt nicht immer wieder die Klappe so weit auf. Weil im Stasiknast, das macht keinen Spaß. [Toni Krahl, Bandleader] [Toni Krahl, Bandleader]
Weil sie nach ihren Tourneen immer wieder in die DDR zurückkehrten, galten sie Vielen bald als Staatsband. Zu unrecht. Wirklich angepasst waren City nie. Selbst westlichen Musikjournalisten nötigt die Karriere hinter dem eisernen Vorhang bis heute Respekt ab.
Die waren nicht so extrem wie irgendwelche Punkrockbands in der DDR, aber das war schon eine Band, die schon ihre Dissidentenmomente hatte, die sich unterscheiden hat von den sehr angepassten Bands im Osten, das war jetzt keine der sehr staatstragenden Bands, also die durften veröffentlichen, aber die hatten schon kritische Untertöne, die wie bei vielen Ostbands, die ein bisschen poetisch verpackt waren, aber sehr, sehr viele DDR Bürger haben sich da sehr angesprochen gefühlt. [Sebastian Zabel - Chefredakteur Rolling Stone Magazin]
Zum Jubiläum haben sich City einen Konzertfilm geschenkt. Das beste aus vier Jahrzehnten, auf Hochglanz poliert.